Eine normale Kindheit trotz Diabetes

Zahlreiche Institutionen bieten ihre Hilfe an

Für Eltern bedeutet die Diagnose Diabetes beim eigenen Kind oftmals ein großes Chaos. „Die Last muss man nicht allein tragen“, sagt Nicolai Altnickel, der bei diesem Thema mit Rat und Tat zur Seite steht.

Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Stoffwechsels. Allen gemeinsam ist, dass sie zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, weil die Patienten einen Mangel am Hormon Insulin haben und/oder die Insulinwirkung vermindert ist. Man unterscheidet in Typ 1- und Typ 2-Diabetes. Der Unterschied liegt in der Ursache der Erkrankung und dem Zeitpunkt des Auftretens. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden, was zu einem absoluten Insulinmangel führt. Er tritt meist schon im Kindes- und Jugendalter auf und erfordert eine lebenslange Insulintherapie. Typ-2-Diabetes hingegen ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper entweder nicht genügend Insulin produziert oder die Körperzellen resistent gegen Insulin werden. Es entwickelt sich meist schleichend im Erwachsenenalter, oft im Zusammenhang mit Übergewicht, Bewegungsmangel und genetischer Veranlagung. 

Kind sitz beim Papa auf dem Schoss und ermisst mit dem Handy den Zuckerwert des Kindes
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Auslöser eines Typ-1-Diabetes ist fast immer eine Reaktion des eigenen Immunsystem. Konkret bedeutet das: Die Abwehrzellen des Immunsystems greifen die Zellen an, die das Insulin produzieren. In einigen Familien tritt diese Form gehäuft auf. Eine genetische Veranlagung erhöht das Erkrankungsrisiko. Inwieweit andere Risikofaktoren, wie bestimmte Infektion oder Umweltfaktoren, eine Erkrankung begünstigen können, lässt sich bisher nicht eindeutig sagen. 

Ein Typ-1-Diabetes beginnt meist im Kindes- und Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter. Ältere Menschen erkranken nur selten daran. Ein unbehandelter Typ-1-Diabetes verursacht schnell Probleme. Eine starke Überzuckerung löst typische Symptome wie Durst, vermehrten Harndrang und lähmende Müdigkeit aus. Durch die Zufuhr von Insulin lassen sich diese Beschwerden schnell lindern.

Der Umgang mit dem betroffenen Kind

Für Eltern bedeutet die Diagnose Diabetes bei dem eigenen Kind oftmals ein totales Chaos. Die Fragen „Warum unser Kind? Woher kommt das auf einmal? Und vor allem: Wie geht es nun weiter?“ belasten gerade am Anfang einer Diagnose, die einen das Leben lang begleitet, die Familie sehr. Die wenigsten haben sich jemals mit dem Thema beschäftigt. Wenn man versucht, Hilfe zu bekommen, wird man von A nach B geschickt, und keiner fühlt sich zuständig. Doch gerade in diesem Augenblick ist eine kompetente Unterstützung essenziell, um die Weichen für die Zukunft zu stellen und dem Kind einen Weg in die Normalität zu ermöglichen. Schließlich muss die Versorgung in Schule, Kindergarten und auch im Privaten so gut und unkompliziert erfolgen, damit das Kind auch eine normale Kindheit haben kann. „Die Last muss man nicht allein tragen“, sagt Nicolai Altnickel, Mit-Geschäftsführer des Unternehmens Waldstadt-Healthcare in Iserlohn, der in diesem Bereich große Erfahrung mitbringt. Als Vater eines betroffenen Kindes bringt der Iserlohner wertvolle zwischenmenschliche Erfahrungen mit. „Die Kombination aus fachlichem Wissen und persönlicher Perspektive zeichnet meinen Zugang zu diesem Thema aus“, sagt Altnickel. 


Mit-Geschäftsführer von Waldstadt-Healthcare und
Conclusio Soziale Dienste in Letmathe.

– Nicolai Altnickel

Selbst den gelernten Facharztassistenten für Chirurgie hat es geschockt, als sein Sohn die Diagnose Diabetes erhielt. „Man übernimmt als Eltern gleich viel Verantwortung und muss mit vielen Dingen zurechtkommen.“ Der Umgang mit Diabetes erfordert einiges an Aufwand, Disziplin und Sorgfalt. Das ist nicht immer einfach. Besonders für junge Menschen kann das manchmal sehr belastend sein. Deshalb ist es gut, wenn Eltern und Kind Unterstützung von Experten bekommen. Zwar ist Diabetes noch nicht heilbar, dennoch lässt sich das Leben mit der Erkrankung in der Regel fast normal gestalten.

Rund 95 Prozent der Erstvorstellungen von Kindern mit Diabetes Typ 1 erfolgen über das Sozialpädiatrische Zentrum Iserlohn (SPZ) in Iserlohn, wo sich auch die Diabetesambulanz des Allgemeinen Krankenhauses Hagen befindet. Dort werden die Kinder zunächst stationär eingestellt. Danach werden sie in der Regel durch eine zugelassene Kinderdiabetologie betreut. Ein späterer Anlaufpunkt ist dann auch das Diabeteszentrum Overweg Praxis Zentrum (OPZ) in Iserlohn-Letmathe. Hier arbeiten Ärzte, Diabetes-Beraterinnen, Diabetes-Assistentinnen, Wundmanagerinnen, Schulungskräfte und Organisatoren Hand in Hand.

„90 Prozent der chronisch erkrankten Kinder, dazu gehören auch Diabetiker vom Typ 1, gehen in eine Regelschule“, berichtet Nikolai Altnickel, „auch hier ist es wichtig, dass die Kinder von geschulten Kräften in die Schule begleitet werden.“

Dafür hat Altnickel Conclusio – Soziale Dienste GmbH mit Sitz in Letmathe ins Leben gerufen. Altnickel: „Unsere Mission ist es, durch qualifizierte Betreuung und maßgeschneiderte Unterstützungsangebote die Integration und Teilhabe in Schule und Gesellschaft zu fördern.“ Für die Begleitung von Kindern mit Diabetes sind keine Fachkräfte erforderlich. Vorgeschrieben ist lediglich eine kurze Diabetes-Schulung als Mindestvoraussetzung für die Tätigkeit. „Gerade deshalb legen wir in unserer Einrichtung großen Wert darauf, weit über dieses gesetzliche Mindestmaß hinauszugehen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend und praxisnah zu schulen, um die Kinder bestmöglich zu begleiten“, berichtet Nicolai Altnickel.

Für Nicolai Altnickel ist eine Herzensangelegenheit, den betroffenen Kindern und deren Eltern zu helfen.